Klasse(n)Kleidung
SCHULE/ Eine Handvoll Schüler stemmt sich gegen den Modezwang - per Uniform

BERGISCH GLADBACH.Was wird über die Mode der Jugend von heute nicht so alles geunkt. Hosen, die in den Kniekehlen hängen, Käppis, die den Blick aufs Haupthaar verhindern. Und alles von den angesagtesten und teuersten Marken, versteht sich. Wer da nicht mithalten kann, steht allzu oft im Abseits. Oder gehört zur Klasse 9 b der Realschule Herkenrath bei Bergisch Gladbach.
In einem einzigartigen Projekt tragen die 29 Schüler seit kurzem nur noch Einheitskleidung. Versuchsweise. ''Wir wollten einfach etwas unternehmen gegen den ganzen Marken-Druck'', sagt der 15-jährige Sven, der die Klamotten selbst mitausgewählt hat. Die Schuluniform des 21. Jahrhunderts hat indes wenig gemein mit britisch gestrickten Faltenröcken und Krawatten oder gar mit dem Matrosen-Look der wilhelminischen Epoche. Die Diktatverweigerer aus Herkenrath tragen lieber dunkelblaue Ripp-Jacken, weiße T-Shirts oder Hemden, dazu Blue Jenas mit Schlag und dunkle Outdoor-Jacken. Und zwar freiwillig, worauf die Klasse viel Wert legt. ''Wir haben über die Kleider abgestimmt, aber keiner wird gezwungen, die Sachen zu tragen'', sagt Annika.
Bis zum Beschluss im Oktober, die Einheitskluft anzuschaffen, war es ein langer Weg. Über Monate hinweg hatten Schüler, Lehrer und Eltern über Sinn und Unsinn einer Schuluniform debattiert. Fördert so etwas den Gemeinschaftssinn? Verhindert es den Makrne-Druck oder ist es nur eine andere Form von Zwang? Die Diskussion dauerte an.
''Die große Mehrheit unter den Eltern und Lehrern isat jedoch für eine Gemeinschaftskleidung'', sagt Klassenlehrerin Marianne Linden, die sich selbst allmorgendlich in Schuluniform wirft.

Die Schuluniform stärkt das Wir-Gefühl

Klare Mehrheitsverhältnisse gibt es wohl auch unter den Schülern, denn nur sechs von ihnen stimmten schließlich gegen das Projekt. Bald tagte denn auch ein ''Modebeirat'' aus Schülern, Eltern und Lehrern, der über Schnitt und Farbe der Uniform zu entscheiden hatte. Man fand einen Sponsor und, voilà: ''Inzwischen ist es richtig zum Alltag geworden'', sagt Svens Bruder Benjamin. Sein Kumpel Manuel räumt zwar ein, dass sich Mitschüler aus anderen Klassen manchmal lustig machen. ''Aber das können wir ganz gut ab, außerdem fühlen wir uns duchr die Kleidung eher als Gemeinschaft. Das stärkt.''
So ähnlich sieht es auch Monika Thilo, Direktorin und Befürworterin der Gemeinschaftskleidung. An der Realschule, sagte sie, gehe die Schwere zwischen Arm und Reich besonders weit auseinander: ''Da sitzt der Supermakrt-Pulli neben dem Designer-Stück''. So fasst sie den Sinn des Projekts zusammen als ''Bewusstwerdung über den persönlichen Verzciht''.
Im Januar nächsten Jahres wird die Klasse 9 b noch einmal abstimmen. Findet sich erneut die Mehrheit, was sich abzeichnet, bleibt die Uniform. (ddp)


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